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Geschichte
Einige Kulturen hatten wenig oder keine Berührung mit der Industriegesellschaft.
Ihre Tänze sind üblicherweise Bestandteil eines religiösen
Ritus, der hoch entwickelte religiöse oder philosophische Vorstellungen
beinhaltet. In derartigen Gesellschaften gibt es oft Aufführungstänze.
Bei den australischen Aborigines und bei den afrikanischen Khoi-san-Völkern
führen beispielsweise ausgebildete Personen mimetische und akrobatische
Tänze zur Unterhaltung und Belehrung auf.
Die Hochkulturen des Altertums
Von den alten Kulturen des Mittelmeerraumes und des Nahen Ostens gibt
es schriftliche und bildliche Zeugnisse über Tänze. In Ägypten
sind auf solchen Darstellungen wahrscheinlich Berufsunterhalter zu sehen,
die Sklaven waren. Tanz war ein wichtiger Bestandteil landwirtschaftlicher
Feste und religiöser Feierlichkeiten wie bei den Tanzriten, die
den Zyklus von Tod und Wiedergeburt des Gottes Osiris darstellen, bei
denen der Jahreszeitenzyklus des Nil zum Ausdruck gebracht wird.
Die Griechen bewunderten den Tanz, der bei ihnen gefördert
wurde. Griechische Kriegertänze, die phyrrhischen Tänze, waren
Teil der Soldatenausbildung. Sakraltänze, vor allem die zu Ehren
von Dionysos, dem Weingott, waren anscheinend der Ursprung des Tanzes
im griechischen Theater. Der Tragödienchor verwendete zur Begleitung
der gesprochenen oder gesungenen Verse Symbolgesten und Tanzschritte.
Die Römer sind besonders für ihren Beitrag zu den mimetischen
Künsten bekannt. Obwohl es reisende Berufskünstler gab wie
Tänzer, Possenreißer, Jongleure und Akrobaten, entwickelte
sich der Tanz bei den Römern nicht weiter.
Das mittelalterliche Europa
Die christliche Kirche, die im europäischen Mittelalter eine große
Macht besaß, missbilligte Tänze. Im Volk wurde aber weiter
getanzt. Modifizierte Bauerntänze des Mittelalters werden noch
heute als Volkstänze getanzt. Einige Bauerntänze, die vom
Adel übernommen und verändert wurden, wurden höfische
Gesellschaftstänze, aus denen sich wiederum das Ballett entwickelte.
Ballett und Modern Dance
Das Ballett entwickelte sich während der Renaissance an den Höfen
Italiens und Frankreichs und wurde im späten 17. Jahrhundert zu
einer Berufsdisziplin. Seit dieser Zeit ist es eine der bedeutenden
Kunstformen der abendländischen Kultur. Im ausgehenden 19. und
frühen 20. Jahrhundert rebellierten die amerikanischen Tänzerinnen
Isadora Duncan und Ruth Saint Denis gegen das klassische Ballett. Auch
der Schweizer Erzieher Émile Jaques-Dalcroze, der ungarische
Tänzer Rudolf von Laban und die deutsche Tänzerin Mary Wigman
experimentierten mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten (Ausdruckstanz).
Die Arbeit dieser Wegbereiter des Modern Dance führte zur Entwicklung
bedeutender neuer Tanzsprachen.
Volkstanz
Volkstanz ist normalerweise an der Tradition ausgerichtet und wird von
Mitgliedern einer Gemeinschaft ausgeführt. Der Begriff Volkstanz
kann am besten auf Tänze angewandt werden, die von landwirtschaftlich
orientierten Völkern aus weltlichen oder rituellen Anlässen
getanzt werden. Beispiele hierfür sind der Kolo im Balkan, der
englische Moriskentanz, der nordamerikanische Square Dance wie auch
die Maitänze und die verschiedenen Arten des Schwerttanzes. Volkstänze
sind normalerweise Gruppentänze, die unter den Generationen weitergegeben
werden. Einige Volkstänze haben keine weit zurückreichende
Tradition: Viele israelische Volkstänze wurden beispielsweise im
20. Jahrhundert nach den Vorbildern europäischer Volkstänze
zu ähnlichen Zwecken entworfen
Gesellschaftstanz
Einige Freizeittanzformen werden als Gesellschaftstänze bezeichnet.
Im Unterschied zu Volkstänzen handelt es sich bei ihnen allerdings
meist um Paartänze.
Die Gesellschaftstänze des Adels im Mittelalter, der Renaissance
und im Barock wurden aus Volkstänzen entwickelt. Im ausgehenden
18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich der Gesellschaftstanz mit dem
Anwachsen der Mittelklasse über die Adelsschranken hinaus und wurde
in Europa und Nordamerika immer beliebter. Der Walzer und die Polka,
die ursprünglich Bauerntänze waren, wandelten sich zu Gesellschaftstänzen.
In den Vereinigten Staaten entstanden aus den Wechselbeziehungen zwischen
den diversen Einwanderergruppen neue Formen des Gesellschaftstanzes
und der volksnahen Unterhaltung wie der Square Dance und der Steptanz.
Neue Gesellschaftstänze, die von den amerikanischen Tänzern
Irene und Vernon Castle vor dem I. Weltkrieg populär gemacht wurden,
eroberten Europa und Amerika. Der Foxtrott und südamerikanische
Tänze wie Tango, Rumba und Cha-Cha-Cha wurden bekannt. Die Synkopen
und Bewegungen des Tanzes der nordamerikanischen Schwarzen wurden in
die beliebten Gesellschaftstänze aufgenommen. Dies geschah um 1900
mit dem Cakewalk und in den zwanziger Jahren mit dem Charleston und
dem Black bottom, in den dreißiger und vierziger Jahren mit dem
Big apple und dem Lindy (siehe Jitterbug) und schließlich mit
den Rock-and-Roll-Tänzen der fünfziger Jahre und ihren Nachfolgern
in den folgenden Jahrzehnten. In den sechziger Jahren ging die Entwicklung
dahin, zu tanzen, ohne seinen Tanzpartner zu berühren, wie dies
beispielsweise beim Twist der Fall ist. Die siebziger und achtziger
Jahre brachten eine Renaissance des Paartanzes, wie beispielsweise beim
Hustle, der zu Disco- und Rockmusik getanzt wird. Mitte der achtziger
Jahre begann der Breakdance, der unter farbigen Straßenkindern
in den USA entstand, mit seinen akrobatischen, roboterartigen Bewegungen
seinen Siegeszug auch in Europa.
Musicals
Die Gesellschaftstänze des 20. Jahrhunderts wie auch die Neuerungen
im Ballett und Modern Dance beeinflussten die wachsende Bedeutung des
Tanzes im Film und in Musicals. Der amerikanische Choreograph Busby
Berkeley schuf in Hollywood ausgefeilte Gruppenproduktionsnummern. Die
amerikanischen Tänzer Fred Astaire und Ginger Rogers verbanden
Gesellschafts- und Steptanz. Bei Oklahoma! (1943) integrierte die amerikanische
Choreographin Agnes de Mille Tanz in die Bühnenhandlung, was dazu
führte, dass von nun an verstärkt Tanzszenen in Musicals eingearbeitet
wurden. In der West Side Story (1957), die von dem amerikanischen Ballettmeister
Jerome Robbins choreographiert wurde, war Tanz erstmals das Medium,
durch das der Hauptteil der Musicalhandlung Ausdruck fand. In den siebziger
Jahren wurde der Tanz am Broadway sogar noch bedeutender, was sich in
Musicals wie A Chorus Line (1975) und Dancin (1978) niederschlug.
Der klassische Tanz Asiens
In Asien stehen Schauspiel, Musik und Tanz in enger, wechselseitiger
Beziehung. Asiatische Tänze, die meist symbolische Gesten, Masken,
ausgefeiltes Make-up und prächtige Kostüme als Elemente einsetzen,
erzählen oft Geschichten, die auf Mythen, historischen Ereignissen
und Legenden basieren. Die Aufführungen dauern oft viele Stunden
lang.
In Indien wurden Formen des klassischen Tanzes, die fast verschwunden
waren, aufgrund von Beschreibungen in alten Manuskripten und von Tempelschnitzereien,
die Tanzpositionen darstellen, wieder zum Leben erweckt. Tanzdramen
und Solotanzformen, die auf Hinduepen gründen, arbeiten viel mit
Handgesten, die Mudras genannt werden. Viele indische Volkstänze
haben bestimmte Eigenschaften mit den komplexeren klassischen Tänzen
gemein.
Japan weist eine Vielzahl von Volkstänzen auf, von denen etliche
religiöser Natur sind. Darüber hinaus gibt es in Japan zwei
Großformen des Tanztheaters: Nõ und Kabuki. Das etwa 500
Jahre alte Nõ ist eine extrem langsame Tanz- und Opernform voller
symbolischer Bezüge. Das im 17. Jahrhundert entwickelte Kabuki
ist eine volksnahe Form, in der viele Theatereinrichtungen zum Einsatz
kommen.
Die Pekingoper ist das bekannteste Genre des chinesischen Tanztheaters.
Sie entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus früheren
Ausprägungen der chinesischen Oper und enthält Aufsehen erregende
Akrobatik als wichtigen Handlungsbestandteil. In den fünfziger
Jahren begann die chinesische Regierung Produktionen zu fördern,
die sich am europäischen Ballett orientieren und (in unverblümt
propagandistischer Absicht) die Themen behandeln, die für die zeitgenössische
Politik und Wirtschaft bedeutsam sind.
In Indonesien, vor allem auf Java, unterhielten früher anmutige
Tänzerinnen die Könige mit weit entwickelten Formen des Hoftanzes.
Sie lebten am Hofe und ihre Tänze waren der Öffentlichkeit
nicht zugänglich. Auf Bali sind noch immer Maskenspiele mit Königen
und Clowns, Kriegstänze und Geistertänze fester Bestandteil
des Dorflebens. Afrika, Ozeanien, Nord- und Südamerika
Die Tänze im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas stehen
oft in Verbindung mit Maskentanzgemeinschaften, deren Mitglieder Geister
nachahmen oder von diesen besessen werden. Auch der Tanz bei Mannbarkeitsriten
ist üblich. Im 20. Jahrhundert haben sich städtische Tanzformen
entwickelt, in denen afrikanische und abendländische Einflüsse
zusammenfallen.
Ozeanische Tänze gehen oft in Verbindung mit dem Erzählen
von Geschichten oder Dichtungen vor sich, wie beispielsweise beim hawaianischen
Hula. Auf Neuguinea werden Tänze oft in kriegerischem Kontext aufgeführt.
Die indianischen Nationen Nordamerikas führten früher komplexe
Tanzrituale aus, die heute noch Bestand haben. In den vergangenen fünfzig
Jahren haben sich nationenübergreifende Gemeinschaftstänze
entwickelt, die bei Stammestreffen (Pow Wows) in den USA und Kanada
aufgeführt werden. In Südamerika haben sakrale und weltliche
Tänze noch immer eine lebendige Tradition bei vielen Indianerstämmen.
Andere südamerikanische Tänze machen direkte Anleihen bei
afrikanischen Tanzbewegungen oder verbinden spanische Bewegungen mit
Elementen aus Indianertänzen.
Bewahrung und Weiterentwicklung
Die moderne Welt wird weitere Anleihen bei Tänzen zwischen unterschiedlichen
Ländern fördern und die Entwicklung neuer Tanzformen, die
aus nationalen Stilmischungen bestehen, unterstützen. Moderne Völker
haben die Tänze vergangener Jahrtausende verloren, weil es kein
Mittel gab, sie zu erhalten. Heute können jedoch die Tänze
der gegenwärtigen Kulturen für zukünftige Generationen
mittels Film- und Videoaufzeichnungen sowie Tanznotationen wie der Laba-Notation,
der Effort/Shape-Notation und der Benesh-Notation erhalten werden.
Diese Informationen für Lehrer und Schüler
sind der Microsoft Encarta 1998 entnommen .
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